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Schnarchen und Erektionsstörungen

Das Schnarchen der Männer stört nicht nur die Nachtruhe der Bettpartnerin, sondern führt häufig zu erheblichen sexuellen Problemen. Männer mit obstruktivem Schlafapnoe Syndrom (OSAS) leiden mindestens viermal häufiger an erektilen Funktionsstörungen als die altersentsprechende Gesamtbevölkerung. Diese Funktionsstörung stellt somit eine häufige Erkrankung innerhalb modernen Industrienationen dar.
Die Begleitsymptome sind: Tagesmüdigkeit, Befindlichkeitsstörungen, Leistungseinbußen und Persönlichkeitsveränderungen.
Die gesundheitlichen Folgen sind: vor allem Herz- Kreislauferkrankungen, weitere Begleiterkrankungen und dadurch eine deutlich erhöhte Sterblichkeit (Mortalität). Die betroffenen Männer nehmen die Begleitsymptome anfangs oft nicht wahr. Allerdings bemerken mehr als 50% eine Störung der erektilen Funktion.

Woher sind diese Fakten bekannt?
Vermutet wurden derartige Zusammenhänge bereits in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts. Der Kardiologe und Schlafmediziner, Prof. Dr. med. Martin Konermann, Ärztlicher Direktor der Medizinischen Klinik Marienkrankenhaus, Kassel, berichtete im Jahre 2003 folgendes:
In einem zur Diagnostik der obstruktiven Schlafapnoe (OSAS) eingesetzten Fragebogen wurde auch nach Potenzstörungen gefragt. In einer Analyse von 500 männlichen OSAS-Patienten (Apnoe-Hypopnoe-Index >10/h) hatten 276 (55,6%) diese Frage positiv beantwortet. Die Patienten waren im Durchschnitt 53,6 +/-9,2 Jahre alt. In der Bevölkerung liegt die Häufigkeit von Potenzstörungen bei Männern im mittleren bis höheren Lebensalter (40 bis 70 Jahre) bei 9,6 bis 20 Prozent. Zieht man in der Fragebogenanalyse eine Dunkelziffer durch unvollständige Angaben in Betracht, so ist die Häufigkeit der erektilen Dysfunktion bei OSAS -Patienten mindestens viermal so hoch wie in der Gesamtbevölkerung.

Der Zusammenhang zwischen Schnarchen und erektilen Dysfunktion
Die nächtlichen Atemstörungen haben eine Tagesmüdigkeit, die durch die Zerstückelung des Schlafes hervorgerufen wird, zur Folge. Es ist bewiesen, dass es durch die Sauerstoffentsättigungen zu einer bleibenden Schädigung des zentralen Nervensystems kommen kann. Dies erklärt, warum Patienten mit Schlafapnoe häufig unter depressiven Erkrankungen und Persönlichkeitsveränderungen leiden. Alle drei Faktoren können einen Libidoverlust und Störungen der erektilen Funktion zur Folge haben. Weiterhin gesichert ist die Erkentnis, das Patienten mit Schlafapnoe im Laufe der Zeit signifikant häufiger als gleichaltrige Vergleichspersonen an endokrinen und Störungen des Herz-Kreislauf-Systems erkranken. Arteriosklerotische Erkrankungen wie koronare Herzkrankheit und Schlaganfälle sind um ein Vielfaches höher, und die Hälfte der Schlafapnoepatienten leiden unter Bluthochdruck. Auch der Diabetes mellitus tritt gehäuft auf. Hirnschädigungen, Arteriosklerose und die Müdigkeit am Tage können Wegbereiter erektiler Funktionsstörungen sein.
Nebenwirkungen einiger Medikamente, die zur Behandlung der vielfältig auftretenden Begleiterkrankungen eingesetzt werden, können wiederum Potenzstörungen auslösen oder verstärken. Bekannt ist diese unerwünschte Nebenwirkung bei Betablockern, Blutdruckmedikamente, Lipidsenker, Diabetes- und Herz-Kreislaufmedikamente.

Hilfe !
Für den erfahrenen HNO-Arzt ist es alltäglich, wenn Männer häufig in Begleitung ihrer Frau in die Praxis kommen und wissen wollen, welche Hilfe es gegen das Schnarchen (und den daraus resultierenden Problemen) gibt. Ein gründliche Untersuchung kann häufig zur Erkennung von Ursachen für das Schnarchproblem führen.
In unserem HNO-Facharztzentrum werden unter Einbeziehung der Präventionsmedizin gezielte Untersuchungen und Behandlungen durchgeführt. Wir kooperieren mit den Kardiologen, Diabetologen, Urologen und den Lungenärzten zur bedarfsweisen Erweiterung der Diagnostik. Im Schlafmedizinischen Zentrum kann Ausmass und gesundheitliche Gefährdung der obstruktiven Atemstörung festgestellt und dokument werden. Sollte auch nach allen therapeutischen Maßnahmen das Schnarchproblem noch besteht, kann als Goldstandard für die Behandlung der obstruktiven Schlafapnoe eine nasale CPAP-Therapie eingeleitet werden. Diese führt in fast allen Fällen zu einer Beseitigung der nächtlichen Atmungsstörung.

Die nCPAP-Therapie hat aber ihrerseits Nebenwirkungen.
Druckstellen und Hautreizungen im Gesicht durch die Nasenmaske können zu einem Problem werden. Austrocknungen der Nasenschleimhaut mit erhöhter Neigung zum Nasenbluten (Epistaxis) lässt sich auch trotz Luftbefeuchter oft nicht vermeiden. Die unvermeidliche Geräuschentwicklung der nCPAP-Therapie kann die Ruhe im Schlafzimmer stören und zu Konflikten führen. Psychologisch signalisiert das nCPAP-Gerät genau in dem Raum die Schwere der Erkrankung, in dem sexuelle Kontakte die Regel sind. Insbesondere bei jüngeren Partnerschaften können seelische Konflikte entstehen, die wiederum Potenzprobleme schaffen.

Quelle: Referat von Prof. Dr. med. Martin Konermann, Marienkrankenhaus Kassel, im Rahmen des 1.Symposiums Inderdisziplinäre Schlafmedizin 2003