Vergrößerte Adenoide (Rachenmandeln)


Adenotomie

Unter Adenotomie versteht man die operative Entfernung der Adenoide (medizinisch: Adenoide Vegetationen, Tonsilla pharyngealis = lat. für Rachenmandel, auch dritte Mandel genannt). Umgangssprachlich wird auch von der Entfernung von "Polypen" oder „Wucherungen“ gesprochen. Die Rachenmandel hat aber nichts mit echten Nasenpolypen zu tun. Vergrößerte Rachenmandeln sind eine typische Erscheinung des Klein- und Vorschul-Kindesalters und werden daher (fast) ausschließlich bei Kindern dieser Altersstufe durchgeführt.

Wann muss operiert werden (OP-Indikation)?

Vergrößerte Adenoide verlegen den Nasenrachen zum einen mechanisch und sind zum anderen häufig Reservoire für pathogene Keime. Das führt schnell zur (entzündlichen) Verlegung der Eustachischen Röhre (Tuba auditiva) und damit zu einer Belüftungsstörung des Mittelohres, zur Bildung eines Paukenergusses mit Schwerhörigkeit, Druck- und Schmerzempfindung. In der Folge stellen sich eine verzögerte Sprachentwicklung und sogar Rückschritte des bisherigen Sprachstandes ein. Der "verlegte" Nasenrachenraum behindert eine natürliche Nasenatmung und führt zur permanenten Mundatmung, zum nächtlichen Schnarchen, Schlafstörungen und zur erhöhten Infektanfälligkeit. Die chronisch unausgeschlafenen Kinder zeigen Inappetenz und Essstörungen. Schließlich stellen sich deutliche körperliche und geistige Entwicklungsverzögerungen ein.

Wie wird die Operation durchgeführt?

Die Operation erfolgt in der Regel ambulant, d.h. ein stationärer Aufenthalt ist nicht notwendig. Die Narkose wird über einen Beatmungsschlauch - heute schonend mit einer Larynxmaske ausgeführt. Jeweils ein Elternteil ist bei dem Kind im Operationssaal und beruhigt es bis zur Einleitung der Narkose. Danach verlässt das Elternteil den OP-Saal. Das Kind liegt mit einer Kopftieflagerung auf dem Rücken und ein spezieller Mundsperrers wird eingeführt. Nun kann mit einem speziellen Instrument, dem so genannten Beckmann’schen Ringmesser, die Rachenmandel abtragen werden. Normalerweise reicht es zur Blutstillung aus, einige Minuten einen Gazetupfer auf die Abtragungsstelle zu drücken. Eventuell noch leicht blutende Stellen im Operationsgebiet werden elektrisch verschorft. Der Mundsperrer wird entfernt, durch die Nase und durch den Mund wird das OP-Gebiet abgesaugt. Erst dann leitet der Anästhesist die Narkose aus. Die des Aufenthaltes im Operationssaal beträgt in der Regel zwanzig Minuten. Da die vergrößerten Adenoiden häufig – wie oben beschrieben – mit der Entwicklung eines Sero-Mukotympanons zusammenhängen, werden oft während derselben Narkose ein Trommelfellschnitt (Parazentese) und eine (selten) eine Paukenröhrcheneinlage (Paukendrainage) durchgeführt. Auch stark vergrößerten Gaumenmandeln (kissing tonsills) können in der gleichen Narkose durch einen Lasereingriff verkleinert (Laser-Tonsillotomie) werden. Die Rachenmandel kann im Gegensatz zu den Gaumenmandeln nachwachsen und muss deshalb gelegentlich erneut entfernt werden.

Risiken der Adenotomie

Die Operation ist eine der risikoärmsten Operationen im HNO-Bereich. Ein typisches allgemeines Operationsrisiko ist die Nachblutung, die nach iteraturangaben ca. um 0,8% liegt. Spezielle Operationsrisiken sind Schäden bei lockeren Milchzähnen durch den Intubationsspatel oder den Mundspreizer und Schäden an der Tuba auditiva mit möglicherweise bleibenden Belüftungsstörungen des Mittelohres. Es kann vorkommen, dass vorübergehend nach der Operation beim Trinken Flüssigkeit über die Nase austritt. Das liegt daran, dass die Kinder wegen der vergrößerten Rachenmandel ihr Gaumensegel zum Abdichten der Nase beim Trinkvorgang nicht nach hinten ziehen mussten und dies nun erst lernen müssen. Nachteile der Adenotomie auf die Immunabwehr sind nicht bekannt. Deshalb operiert man die Rachenmandel im Gegensatz zu den Gaumenmandeln auch schon bei Kleinkindern, die meisten Operationen werden zwischen dem 2. und 6. Lebensjahr notwendig. Die Vorbereitung des Eingriffs erfolgt mit einem ausführlichen Aufklärungsgespräch und der Überreichung der Aufklärungsunterlagen.