Tinnitus-Behandlung


Portland 1995: Tinnitus-Weltkongress.

Eine neue Hoffnung in der Behandlung des chronischen Tinnitus wird vorgestellt.
Jonathan Hazell und Pawell Jastreboff, die Wegbereiter des neuen Konzepts: Der Patient kann seine Ohrgeräusche aus dem Bewusstsein verlieren, er nimmt sie nicht mehr wahr, auch wenn er sich gezielt darauf konzentriert! Die Fachwelt war beeindruckt. Heute ist die Euphorie verflogen. Die ersten Erfahrungen wurden gemacht, Ergebnisse nüchtern gewertet.

Die Grundlagen der Retrainings-Therapie

Zunächst gilt es zu ermitteln, ob der Tinnitus eine Erkrankung des Ohres und seiner Hörbahn ist. Wird dies ausgeschlossen, gilt es dieses dem Patienten zu vermitteln. Es muss erläutert werden, dass es sich um eine Fehlverarbeitung von akustischen Signalen im Gehirn handelt. Die Retrainings-Therapie muss daher zum Ziel haben, die Abkopplung des Unterbewusstseins und der Wahrnehmung der lästigen Geräusche zu erreichen. Aufklärung und Beratung ist nötig.

Wie erreicht man dieses Behandlungsziel?

  • 1. Aufklärung und Beratung helfen zunächst Stressreaktionen abschwächen.
  • 2. Gezielte Entspannungstechniken können Nervosität, Ängste, Übererregbarkeit, Schlafstörungen usw. heilend beeinflussen. Entspannungstechniken, wie Akupunktur, physikalische Maßnahmen, Respiratorisches Atemfeedback, Autogenes Training (AT) helfen, dass die Wahrnehmung auf andere, positive Dinge zu lenken gelernt wird und Konzentrations- und Schlafstörungen allmählich überwunden werden.
  • 3. Aufdeckung und Behandlung körperlich-seelischer (psychosomatischer) Störungen.
    Ängste, Depressionen, Probleme des sozialen Umfelds in Familie, Freundes- und Bekanntenkreis, aber auch bei der Arbeit sollten erkannt und behandelt werden.
    Je nach Ausmaß dieser Störungen könnten ein psychologisches Gespräch und eventuell entsprechende Behandlungen notwendig sein.
    Diese dritte Säule der Retrainings-Therapie erfordert für uns eine enge Zusammenarbeit mit Psychologen oder einer psychosomatisch orientierten Tinnitusklinik. Es laufen in Deutschland für diese kostenintensiven Behandlungskonzepte Verhandlungen mit den Krankenkassen. Noch werden diese aber nicht vergütet, weshalb die Retrainings-Therapie in Deutschland allenfalls sehr schleppend anläuft.
  • 4. Aufdeckung verborgener Risiken,
    die langfristig zu Tinnitus und Hörschäden führen, gibt es viele. Eine genaue Untersuchung des Stürz- und Bewegungsapparates ist daher sinnvoll. Zusätzliche umfangreiche laborchemische Untersuchungen decken ggf. weitere Ursachen auf und machen sie einer Behandlung zugänglich.
  • 5. Tinnitusnoiser: Geräte, die ein sog. weißes Rauschen unterhalb der Schwelle des eigenen Ohrgeräuschs aussenden, also ein Geräusch, in dem alle für das menschliche Ohr wahrnehmbaren Frequenzen enthalten sind, können zu Lasten der gesetzlichen Krankenkassen verordnet werden. Damit soll erreicht werden, dass das Hörsystem mit dem ganzen Spektrum menschlicher Hörempfindungen stimuliert wird.
  • 6. Hörgeräte: Geht der Tinnitus mit einer Schwerhörigkeit einher, ist es sinnvoller, statt Tinnitusnoiser, eine Hörgeräteversorgung einzuleiten.

    Bringen Sie bitte zum Beratungsgespräch alle Unterlagen und Ihre letzten Laborwerte mit.
    Wir beraten Sie individuell!