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Sind Männer Gesundheitsidioten?

Erster Deutscher Männergesundheitsbericht deckt Defizite auf.

Der Bericht stellt die gesundheitliche Lage, die Gesundheitsversorgung und das Gesundheitsverhalten der Männer in Deutschland dar. Er stellt fest, dass Männer das weitgehend vernachlässigte Geschlecht sind. Allzu lange seien Wissenschaft, Politik und Krankenkassen zögerlich gewesen, männliche Gesundheitsprobleme zu akzeptieren und zielgerichtet zu beheben.

Präventionsangebote und medizinische Versorgung müssen besser an den unterschiedlichen Bedürfnissen von Männern und Frauen ausgerichtet sein. Das ist ein Ergebnis des Ersten Deutschen Männergesundheitsberichts, der kürzlich veröffentlicht wurde. Herausgegeben wurde der Bericht von der Stiftung Männergesundheit und der Deutschen Gesellschaft für Mann und Gesundheit e.V. mit Unterstützung der DKV Deutsche Krankenversicherung AG.

So habe bisher ein Männergesundheitsbericht gefehlt, während ein Frauengesundheitsbericht bereits seit 2001 vorliege. Den jetzigen Pilotbericht sehen die Autoren daher zugleich als Auftrag an die Politik, einen offiziellen staatlichen Männergesundheitsbericht auszuarbeiten.

Jungen erscheinen als Problemkinder
Bundesfamilienministerin Dr. Kristina Schröder verwies bei der Vorstellung des Berichts darauf, dass die Bundesregierung erstmals ausdrücklich eine Jungen- und Männerpolitik betreibt: „Wir wissen, dass inzwischen nicht Mädchen, sondern Jungen als Problemkinder erscheinen. Das liegt unter anderem daran, dass es in Kindergärten und Schulen kaum männliche Erzieher und Lehrer gibt, die Rollenvorbilder sein können.“

Die Bundesregierung wolle mehr Jungen und Männer für Erziehungs-, Sozial- und Gesundheitsberufe gewinnen. „Deshalb starten wir zum Beispiel im nächsten Jahr den bundesweiten Boy’s Day. Durch diese Jungenförderung können wir dann auch auf falsche Männlichkeitsvorstellungen eine Antwort finden“, glaubt Schröder.

Gesellschaftliche Sicht auf Männer muss sich ändern
„Der Männergesundheitsbericht wird den gesundheitlichen Belangen der Männer nicht nur zu medizinischer, sondern vor allem zu gesellschaftlicher Aufmerksamkeit verhelfen“, hofft Prof. Doris Bardehle von der Stiftung Männergesundheit.
Mitherausgeber Dr. Matthias Stiehler von der Deutschen Gesellschaft für Mann und Gesundheit e.V. verweist auf die Ergebnisse des Berichts, die im öffentlichen Bewusstsein als männerspezifisches Problem kaum wahrgenommen werden: „Es wird deutlich, dass Männer keine Gesundheitsidioten sind, als die sie immer wieder dargestellt werden. Es ist vielmehr die gesellschaftliche Sicht auf Männer, die sich ändern muss, und daran müssen die Männer natürlich selbst mitarbeiten.“

Sind Männer „Gesundheitsidioten"?
Dass viele Männer zum Teil doch „Gesundheitsidioten“ sind, zeigte aber der bereits Anfang des Jahres erschienene Präventionsbericht aus Schleswig-Holstein auf, welcher den Schwerpunkt Männergesundheit beleuchtete.
Dessen Fazit: Zu viele Männer kümmern sich erst um ihre Gesundheit, wenn es fünf vor Zwölf ist. So gehen in Schleswig-Holstein nur 23 Prozent der Männer zur Krebsfrüherkennung. Dabei hätten die meisten Vorsorgemuffel allen Grund, frühzeitig zu handeln. Bei der Lebenserwartung liegen Männer deutlich hinter den Frauen, bei der Zuckerkrankheit sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen klar vorn“, sagt Schleswig-Holsteins Gesundheitsminister Dr. Heiner Garg.

Nicht nur die Früherkennung vernachlässigen die Männer laut dem Bericht, sie nehmen insgesamt gesundheitliche Beschwerden weniger wahr. Dazu gehöre auch das Ignorieren von Stress und anderen psychischen Belastungen – oft so lange, bis „die Batterie leer“ ist. Obendrein haben Männer ein geringeres Risikobewusstsein als Frauen. Faktoren wie Rauchen, Alkohol, Drogenkonsum und riskantes Verhalten im Straßenverkehr oder beim Sport nehmen viele in Kauf. Doch der Bericht aus dem Norden bietet auch positive Perspektiven: Betriebliche Gesundheitsförderung biete ideale Möglichkeiten, besonders das „starke Geschlecht“ zu motivieren.

Das wahre „schwache Geschlecht"
Dass in Wirklichkeit die Männer das „schwache Geschlecht“ sind, belegt auch der aktuelle Gesundheitsreport der Techniker Krankenkasse (TK), der jährlich die Rezepte der 3,4 Millionen bei der TK versicherten Erwerbspersonen zwischen 15 und 65 Jahren analysiert. Demnach erhielt das vermeintlich „starke Geschlecht“ im letzten Jahr mehr Arzneimittel verschrieben als die Frauen.

Jeder Mann bekam dem Bericht zufolge Tabletten, Pillen und Co. für umgerechnet 177 Tage im Jahr, genug also, um jeden zweiten Tag ein Medikament in der empfohlenen Dosis einzunehmen. Das Volumen ist in den letzten zehn Jahren um fast 24 Prozent gestiegen und liegt damit inzwischen höher als das der Frauen.

Aus: männergesundheit-colleg.de - eine Website der Bayer Vital GmbH; Quellen: Stiftung Männergesundheit, TK